Click here for search results

Eine umfassende und nachhaltige Globalisierung

Available in: Português, العربية, English, Français, 中文, Khmer, русский, Tiếng việt, Español, Bahasa (Indonesian), 日本語

Vortragsfassung

 

 

Robert B. Zoellick

Präsident der Weltbankgruppe

The National Press Club, Washington D.C.

10. Oktober 2007

 

 

Seit 100 Tagen bin ich nun Präsident der Weltbankgruppe und möchte Ihnen daher meine ersten Eindrücke und Ideen für strategische Richtungen vermitteln.

 

Ich weiß die Ermutigung und Unterstützung, die ich von vielen Seiten bekommen habe, zu schätzen. Ich habe das Gefühl, dass Menschen in aller Welt – in Entwicklungsländern ebenso wie in Industrienationen – sowohl die Notwendigkeit als auch das Potenzial dieser einzigartigen Organisation erkennen. Die Weltbankgruppe ist eine der großen multilateralen Institutionen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen wurden. Sechzig Jahre später muss sie sich auf stark veränderte Gegebenheiten in einer neuen Ära der Globalisierung einstellen.

 

Der Mitarbeiterstab der Weltbankgruppe hat mir viel beigebracht, hat mir die maßgebliche Arbeit vor Ort gezeigt und frische Ideen für unseren zukünftigen Kurs vorgeschlagen. Das Direktorium gibt Expertise und Anleitung für unser Bestreben, aus guten Absichten und Analysen produktive Maßnahmen werden zu lassen.

 

Das Gesicht der Weltbankgruppe

Das wahre Gesicht der Weltbankgruppe ist aber nicht das, was man gewöhnlich in Washington oder in den Hauptstädten unserer größten Teilhaber sieht.

 

Als ich im vergangenen August die Provinz Yen Bai im gebirgigen Norden Vietnams besuchte, traf ich eine Frau, die jetzt mit elektrischem Strom versorgt wird und damit Reis mahlen, Wasser pumpen sowie Ventilatoren betreiben kann und Licht im einzigen Zimmer ihres Hauses hat, damit ihre Kinder auch bei Dunkelheit lernen können – weil die Weltbank ein vietnamesisches Elektrifizierungsprojekt finanziert hat. Stromversorgung erleichtert heute die Arbeit in mehr als 90 Prozent der ländlichen Haushalte in Vietnam. Wie in anderen Gesellschaften hilft die Stromversorgung auf dem Lande vor allem Frauen, die Tag für Tag die bäuerliche Hauptarbeit leisten.

In Honduras trägt die Weltbank durch den Bio Carbon Fund zur Rettung des Nationalparks Pico Bonito bei. Der Fonds unterstützt Bauern, die statt den heimischen Redondo-Baum zu fällen jetzt die Samen verkaufen und junge Bäume pflanzen. Ein Bauer meinte dazu: „Unsere Bäume stehen noch, und ich verdiene trotzdem etwas, sogar mehr als zuvor. Wir kümmern uns sogar um die wilden Jungpflanzen.“

 

In Nigeria verhalf die Internationale Finanz-Corporation, unser Arm auf dem Privatsektor, einer allein erziehenden Mutter im Dorf Ovoko zu einem Mikrofinanz-Darlehen, um eine Telefonvermittlung im Dorf zu betreiben. Zuvor mussten die Dorfbewohner eine Tagesreise auf sich nehmen, um ein Telefongespräch zu führen. Jetzt hilft diese Unternehmerin ihren Nachbarn, Verbindung zur Außenwelt aufzunehmen, und verdient dabei genug Geld, um die Schulgebühren ihrer Kinder und die Medikamente für ihre eigene HIV- bzw. Aids-Therapie zu bezahlen.

 

Überall wollen die Menschen bessere Lebensbedingungen für sich und ihre Kinder schaffen, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen. Dieses Streben kann, wenn es denn verwirklicht wird, zu einer gesunden und wohlhabenden Weltgesellschaft führen.

 

Eine umfassende und nachhaltige Globalisierung: Der Bedarf

Wir leben in einem Zeitalter der Globalisierung. Doch die Konturen sind unscharf. Seit dem Ende des Kalten Krieges ist die Anzahl der Menschen in der globalen Marktwirtschaft von ungefähr einer Milliarde auf vier oder fünf angestiegen – und dadurch vermehrte sich die Anzahl der erwerbsfähigen Bevölkerung rasant, wurden neue Fertigungs- und Dienstleistungszentren in den gesamten Entwicklungsländern errichtet, schnellte die Nachfrage nach Energie und Rohstoffen in die Höhe, und es wurden weitreichende Möglichkeiten für mehr Konsum geschaffen. Neue Ersparnisse bereichern die globalen Kapitalströme, die von Investitionsmöglichkeiten in den aufstrebenden und den sich ändernden reifen Marktwirtschaften angezogen werden. Der Transfer von Fertigkeiten, Technologien, Informationen und angewandtem praktischem Wissen geht in rasantem Tempo vor sich.

 

Der globale Handelsstrom hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Mehr offene Marktwirtschaften senken die Kosten für Waren und Dienstleistungen. Mehr Länder bauen auf exportorientiertes Wachstum. Zwar bleiben die Käufe der reifen Marktwirtschaften wichtig, doch spiegeln neue Handelsmuster regionale und globale Lieferketten und einen zunehmenden „Süd-Süd“-Handel wider. Rund 300 Millionen Menschen haben extreme Armut hinter sich gelassen.

 

Doch viele leben noch in den Randbereichen und wieder andere fallen noch weiter zurück. Man kann sie als Länder, als Regionen und Gruppen innerhalb von Ländern oder als Einzelpersonen zählen. Ihr Ausschluss hat viele Ursachen – Konflikte, schlechte Regierungsführung und Korruption, Diskriminierung, das Fehlen einer grundlegenden Versorgung, Krankheiten, das Fehlen von Infrastruktur, schwaches Wirtschaftsmanagement ohne Anreize, das Fehlen von Eigentumsrechten und Rechtsstaatlichkeit, und sogar geografische Gegebenheiten und Witterung.

 

Wir sehen hierbei auch die Probleme, die dieses außerordentliche Wachstum für die Umwelt aufwirft: Flüsse sind schwarz geworden, der Himmel verdunkelt die Sonne, und Gesundheit und Klima sind bedroht.

 

Globalisierung bietet unglaubliche Chancen. Doch Ausschluss, bittere Armut und Umweltschäden sind Gefahrenherde. Die Leidtragendsten sind diejenigen, die von vornherein am wenigsten besitzen – indigene Völker, Frauen in Entwicklungsländern, die arme Landbevölkerung, die Bewohner Afrikas sowie deren Kinder.

 

Es ist die Vision der Weltbankgruppe, zu einer umfassenden und nachhaltigen Globalisierung beizutragen – um Armut zu besiegen, Wachstum auf umweltschonende Weise zu fördern und den Einzelnen Chancen und Hoffnung zu geben.

 

Im Jahr 2000 stellten die Länder der Vereinten Nationen acht Millenniums-Entwicklungsziele auf – ehrgeizige Ziele, bis 2015 die Armut um die Hälfte zu reduzieren, Hunger und Krankheiten zu bekämpfen und den Armen grundlegende Dienste bereitzustellen. Diese Ziele, unsere Ziele, sind im Haupteingang unserer Zentrale zu lesen und erinnern uns jeden Tag daran, wofür wir unsere Arbeit leisten.

 

Diese Zielsetzungen für solide soziale Entwicklung müssen in einem stützenden Rahmen öffentlicher Politikmaßnahmen mit den Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum kombiniert und vom Privatsektor vorangetrieben werden.

 

Lassen Sie mich einige Beispiele für den Bedarf anführen.

Jedes Jahr erkranken rund 500 Millionen Menschen weltweit an Malaria. Dabei könnten wir diesen Spitzenkiller der Kinder Afrikas nahezu besiegen. Man bräuchte für die kommenden Jahre eine Investition von etwa 3 Mrd. USD jährlich, um jeden von Malaria bedrohten Haushalt mit vorbehandelten Mückennetzen, Arzneimitteln und bescheidenen Mengen von Haushalts-Insektiziden zu versorgen.

 

Die Internationale Energieagentur schätzt, dass die Entwicklungsländer im Lauf des nächsten Jahrzehnts jährlich etwa 170 Mrd. USD an Investitionen auf dem Energiesektor benötigen werden, um allein den Strombedarf zu decken, sowie weitere 30 Mrd. USD pro Jahr, um auf einen Energiemix mit niedrigerem Kohlenstoffanteil umzustellen.

 

Weitere 30 Mrd. USD jährlich sind notwendig, um das Millenniumsziel zu erreichen, 1,5 Milliarden Menschen mit sicherem Trinkwasser und die 2 Milliarden Menschen mit sanitären Einrichtungen zu versorgen, denen diese grundlegende Versorgung fehlt. Dadurch soll auch die Gleichstellung der Geschlechter in armen Ländern verbessert werden.

 

Um die Voraussetzungen für Transportwesen und Infrastruktur in den wachsenden Entwicklungsländern zu erfüllen, werden weitere 130 Mrd. USD jährlich benötigt, darin eingeschlossen schätzungsweise 10 Mrd. USD pro Jahr für Container-Hafenterminals zur Verbesserung der Handelschancen.

 

Und für die Grundschulausbildung von rund 80 Millionen Kindern, die nicht zur Schule gehen, einem weiteren Millenniums-Entwicklungsziel, benötigen Länder mit niedrigem Einkommen fast 7 Mrd. USD pro Jahr.

 

Die Hilfe der Weltbankgruppe

Die Erfüllung dieses Bedarfs ist natürlich nicht nur eine Frage des Geldes. Auch ist es nicht Aufgabe der Weltbankgruppe, diese Investitionen allein zu finanzieren.

 

Es ist Zweck der Gruppe, Länder auf dem Weg zur Selbsthilfe zu unterstützen, indem sie als Katalysator für Kapital und Politikmaßnahmen durch eine Kombination aus Ideen und Erfahrung, Entwicklung von Chancen auf dem Privatmarkt und die Unterstützung guter Regierungsführung und Korruptionsbekämpfung unterstützend mitwirkt – angespornt durch unsere Finanzressourcen.

Es ist Zweck der Bankgruppe, Ideen zu internationalen Projekten und Vereinbarungen zu Handel, Finanzen, Gesundheit, Armut, Bildung und Klimawechsel voranzutreiben, so dass sie allen nützen, vor allem aber den Armen, die neue Chancen suchen.

 

Wir sollten die Grenzen unseres Denkens über Politik und Märkte ausweiten, neue Möglichkeiten erforschen und nicht nur das Altbewährte mit einem mäßigen finanziellen Vorteil recyceln.

Ich betone deshalb eigens das Konzept der Weltbankgruppe. Wir sind eine Institution, die wie viele große Finanzunternehmen über die ihr angeschlossenen Organisationen in Spezialgebieten operiert. Wir müssen unsere Beziehungen und Wirksamkeit als Gruppe stärken.

 

Unsere Gruppe hat vier Hauptbestandteile. Die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (International Bank for Reconstruction and Development – IBRD) ist unser öffentlicher Finanzarm und stellt Darlehen auf der Grundlage von Marktpreisen, Risikomanagement und weitere Finanzdienstleistungen vor dem Hintergrund eingehender Erfahrungen im Entwicklungsbereich bereit. Die Internationale Entwicklungsorganisation (International Development Association – IDA) ist eine Hilfsorganisation und stellt den 81 ärmsten Ländern zinsfreie Darlehen und Fördermittel sowie maßgebliche Schuldenerleichterung zur Verfügung. Die Internationale Finanz-Corporation (International Finance Corporation – IFC) ist unser Arm auf dem Privatsektor. Sie nimmt Kapitalinvestitionen vor und stellt Darlehen und Bürgschaften sowie Beratungsdienste in Entwicklungsländern bereit. Und die Multilaterale Investitionsgarantie-Agentur (Multilateral Investment Guarantee Agency – MIGA) stellt politische Risikoversicherung zur Verfügung. In gemeinsamer Arbeit können wir diese Einrichtungen nutzen und dafür sorgen, dass das Ganze größer ist als die Summe seiner Teile.

 

Diesen Komponenten gemeinsam ist ein Stab aus Experten und erfahrenen Mitarbeitern, die die verschiedensten Entwicklungsdisziplinen abdecken. Die Bereitstellung, Erweiterung und Überprüfung dieses Wissens ist – im Schulterschluss mit der Finanzierung oder separat – der wichtigste Teil unserer Arbeit.

 

Erste Schritte

In den letzten beiden Monaten hat die Geschäftsführung der Weltbankgruppe in enger Zusammenarbeit mit dem Direktorium erste Maßnahmen auf dem Weg nach vorn ergriffen. Dabei stärken wir auch die Synergien zwischen diesen verwandten Institutionen.

 

Dieses Jahr füllen wir die Mittel der IDA wieder auf, das wichtigste Finanzierungsinstrument der Gruppe für die ärmsten Länder und vor allem für Afrika. Dies ist die 15. Wiederauffüllung der IDA, und jede neue Wiederauffüllung deckt die nächsten drei Jahre ab.

 

Wir führen Gespräche mit rund 40 Geberländern und Kreditnehmern, wie Prioritäten festgelegt, Politikmaßnahmen gefestigt und unsere Wirksamkeit gegenüber IDA-Ländern gestärkt werden können. Die Großzügigkeit der Geber ist entscheidend für den Erfolg dieser Wiederauffüllung, und ihre Unterstützung dieses ehrgeizigen Ziels stimmt uns zuversichtlich.

 

Ich möchte allen Gebern sagen, dass die Weltbankgruppe ihr Versprechen, wenn es um die Wiederauffüllung der IDA geht, auch wirklich hält.

 

Ich freue mich deshalb ganz besonders über die Mitteilung, dass unser Direktorium zugestimmt hat und die Bankgruppe als führende Geberin sieht, die aus eigenen Mitteln 3,5 Mrd. USD für IDA 15 bereitstellen wird. Das ist mehr als doppelt so viel wie die 1,5 Mrd. USD, die wir 2005 für IDA 14 zugesagt hatten. Derart gestärkt, werden wir Geberländer auffordern, eine ehrgeizige Aufstockung ihres Beitrags zuzusagen, damit den ärmsten Ländern, vor allem in Afrika sowie Süd- und Ostasien, geholfen werden kann. Südafrika hat bereits einen guten Standard gesetzt und eine 30-prozentige Erhöhung seiner IDA-Beiträge zugesichert. Jetzt müssen noch die G-8 und andere Industrienationen ihre Worte von den Gipfelerklärungen in ernsthafte Zahlen umsetzen.

 

Unser IDA-Beitrag hängt natürlich vom Jahreseinkommen der IBRD und IFC ab, das jedes Jahr von ihren jeweiligen Direktorien ausgeschüttet wird, aber wir sind der Ansicht, dass dieses hoch gesteckte Ziel erreichbar ist. Wir fordern andere auf, es uns gleich zu tun.

 

Des Weiteren setzen wir uns für eine stärkere Wachstumsstrategie für die IFC ein. Die IFC verfügt über eine gute Kapitalausstattung und erhöht ihre Investitionen auf dem Privatsektor in IDA-Ländern, in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen sowie in Regionen und Sektoren in mittleren Einkommensländern, die entsprechenden Bedarf aufweisen.

 

Drittens werden wir die Zusammenarbeit zwischen IDA und IFC vertiefen, um dem Privatsektor in diesen Volkswirtschaften unter die Arme zu greifen. Im letzten Jahr erfolgten 37 Prozent der IFC-Investitionen in IDA-Ländern, und wir werden diese Zahl noch erhöhen. Die IFC führt außerdem neue Infrastruktur- und Mikrokapitalfonds für IDA-Länder ein. Zudem können IDA und IFC gemeinsam als Investoren zur Stützung öffentlich-privater Gesellschaften bei Infrastrukturprojekten auftreten; dies gilt vor allem für die Sektoren Energie, Transport, Wasser, Landwirtschaft und Mikrofinanzierung. Diese Projekte können die Integration regionaler Märkte unterstützen, was vor allem für kleinere und Binnenstaaten in Afrika von wesentlicher Bedeutung ist.

 

Viertens geht unser Kreditgeschäft zurück, obwohl die IBRD über eine sehr gute Kapitalausstattung verfügt. Heute leben etwa 70 Prozent der Armen in Indien, China und in den Ländern mit mittlerem Einkommen, die von der IBRD bedient werden. Diese Länder haben uns gebeten, sie weiterhin auf ihrer Suche nach der bestmöglichen Deckung ihrer vielfältigen Bedürfnisse zu unterstützen. Damit müsste die IBRD eigentlich wachsen und nicht schrumpfen. Natürlich müssen, wie ich noch ausführen werde, unsere Dienstleistungen gegenüber Ländern mit mittlerem Einkommen weit über die reine Kreditvergabe hinausgehen. Aber unsere bunt gewürfelte Preisstruktur, die Berichtigungen von 1998 widerspiegelt, hat unsere Kunden verwirrt. IBRD-Kredite – in Kombination mit maßgeschneiderter, hochaktueller Politikerfahrung – bleiben wertvoll. Unsere Mischung aus Krediten und wissensbasierten Dienstleistungen ist besonders wichtig, um Ländern bei ihrer sozialen Entwicklung und der Expansion von Energie und Infrastruktur in umweltschonender Form zu helfen.

Deshalb habe ich unser Direktorium gebeten, unsere Preise zu vereinfachen und zu senken, damit wir unsere Kreditvergabe zur Unterstützung von Entwicklung und Wachstum expandieren und so den großen Bedarf in den aufstrebenden Marktwirtschaften besser decken können. Ich freue mich über die Zustimmung des Direktoriums, woraufhin unsere Gebühren vereinfacht und die Zinssätze auf das Niveau vor der Asienkrise gesenkt wurden. Dieser Schritt kann eine katalytische Wirkung auf die Expansion unserer Dienstleistungen ausüben. Aber wir haben noch mehr zu tun. Wir müssen auch die nicht-finanziellen Kosten unseres Geschäfts berücksichtigen. Wir wollen schneller, besser und preiswerter sein.

 

Diese Schritte sind erst der Anfang. Sie weisen mit konkreten Meilensteinen in die richtige Richtung auf einen expandierenden Horizont.

 

Eine umfassende und nachhaltige Globalisierung: Ein multilateraler Ansatz          

Globalisierung darf die „unterste Milliarde“ nicht zurücklassen. Diese Behauptung gründet auf mehr als Respekt für den Wert unserer Mitmenschen und auf mehr als der Erkenntnis, dass jeder von uns in einer ähnlichen Situation hätte auf die Welt kommen können. Umfassende Globalisierung ist auch eine Sache des Eigeninteresses. Armut führt zu Instabilität, Krankheit, Vernichtung gemeinsamer Ressourcen und Zerstörung der Umwelt. Armut kann zu gebrochenen Gesellschaften führen, die zu Brutstätten zerstörerischer Elemente werden, und zu lebensbedrohlichen Migrationen führen.

Globalisierung hat auch den Milliarden von Einwohnern in Ländern mit mittlerem Einkommen, die seit Ende des Kalten Krieges die Entwicklungsleiter emporgestiegen sind, ungleichmäßige Vorteile beschert. In vielen Ländern schwächen soziale Spannungen den politischen Zusammenhalt. Die Länder mit mittlerem Einkommen besitzen 60 Prozent der Wälder weltweit und erzeugen 40 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes aus fossilen Brennstoffen. Gemeinsam mit den Industrienationen, die die meisten Emissionen erzeugen, werden diese Länder eine Schlüsselrolle bei einem globalen Ansatz gegenüber dem Klimawandel spielen. Diese Länder mit mittlerem Einkommen müssen weiter wachsen, umfassende Entwicklungsmöglichkeiten bieten und Umweltpolitiken übernehmen, die nachhaltigen Wohlstand sichern.

 

Der größere Einfluss der Entwicklungsländer wirft eine andere Frage auf: Welche Stellung werden sie in diesem evolvierenden Weltsystem einnehmen? Dabei stellt sich die Frage, wie große Entwicklungsländer nicht nur ihre Beziehung zu Industrienationen, sondern auch zu den ärmsten und kleineren Ländern der Welt gestalten werden. Es wäre denn in der Tat ironisch, wenn sich die Bankgruppe zu einem Zeitpunkt aus der Arbeit mit den mittleren Einkommensländern zurückzöge, in dem Regierungen die Notwendigkeit erkennen, diese Länder effektiver in Institutionen der Diplomatie und politischen Sicherheit einzubinden. Warum sollten wir sie nicht auch als Partner in die Institutionen der multilateralen Wirtschaft integrieren?

 

Vor zwei Jahren machte ich den Vorschlag, China solle auf seinem Erfolg aufbauen und zu einem „verantwortungsvollen Teilnehmer“ im internationalen System werden. Es stellt natürlich auch für andere eine Herausforderung dar, wenn wir eine umfassende und nachhaltige Globalisierung erreichen wollen. Und mit der Verantwortung sollten auch mehr Stimmrecht und Vertretung einhergehen. Wir müssen die Agenda vorantreiben und die Beteiligung der Entwicklungsländer an der Arbeit und Belegschaft der Bankgruppe stärken.

 

Industrieländer sehen sich ebenfalls den Chancen und Zwängen der Globalisierung gegenüber. Die Menschen sind besorgt über das Tempo der Veränderungen, obwohl die jüngeren Generationen sich großenteils mit erstaunlicher Flexibilität anpassen.

 

Der gesunde Menschenverstand in Industrieländern lässt die Öffentlichkeit erkennen, dass Isolation nicht zum Erfolg führt. Anstand – aber auch Eigeninteresse – lässt sie die gegenseitigen Abhängigkeiten erkennen, noch während sie Debatten über den besten Weg dorthin führen.

Im Vergleich zum Ausmaß dieser globalen Herausforderungen ist die Weltbankgruppe eine bescheidene Institution. Doch gemeinsam mit ihren multilateralen Partnern – die Vereinten Nationen und ihre Spezialagenturen, der IWF, die WTO und regionale Entwicklungsbanken – muss die Weltbankgruppe eine wichtige Rolle bei der Förderung einer umfassenden und nachhaltigen Globalisierung spielen. Die multilateralen Institutionen wurden geschunden und geschlagen. Sie müssen Beratungen mit wirksamen Ergebnissen verknüpfen. Sie müssen interne Schwächen überwinden und auf ihren Stärken aufbauen. Gemeinsam müssen wir zeigen, dass Multilateralismus für die Bedürftigsten weitaus effektiver sein kann – und zwar nicht nur in Konferenzsälen und Kommunikees, sondern in Dörfern und pulsierenden Städten.

 

Umfassende und nachhaltige Globalisierung muss von globalen Institutionen gefördert werden. Die Weltbankgruppe hat bedeutende Finanzressourcen, einen erfahrenen, versierten und engagierten Mitarbeiterstab, die Möglichkeit, Versammlungen einzuberufen, Mitarbeiter in 100 Ländern sowie 185 Mitgliedsstaaten. In Bestform kann die Bankgruppe weitere Ressourcen öffentlicher und privater, finanzieller und personeller Art mobilisieren und Vorführ- sowie Multiplikationseffekte schaffen. Wenn die Weltbankgruppe erfolgreich ist, dann fungiert sie als Katalysator für eine Marktdynamik, die die Chancen der Globalisierung auf umfassende und nachhaltige Art aufgreift.

 

Sechs strategische Themen

Wie soll dann die strategische Richtung der Weltbankgruppe aussehen?

 

Ich werde heute kurz sechs strategische Themen vorstellen, die das Ziel einer umfassenden und nachhaltigen Globalisierung unterstützen. In einer Woche findet die Jahrestagung der Weltbankgruppe und des IWF statt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich diese sechs Themen ausführlich mit den Gouverneuren der Bank sowie mit der weiteren Gemeinschaft der beteiligten Parteien, darunter Organisationen der Zivilgesellschaft, Unternehmen und Stiftungen, erörtern.

Zunächst einmal sieht sich die Weltbankgruppe der Aufgabe gegenüber, die Überwindung der Armut und die Förderung nachhaltigen Wachstums in den ärmsten Ländern, vor allem in Afrika, zu unterstützen. Die IDA ist unser Kernfinanzierungsinstrument für die 81 ärmsten Länder.

 

In diesen Ländern müssen wir uns gemeinsam mit unseren Partnern intensiv auf die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele konzentrieren. Diese Grundbedürfnisse legen das Fundament für die Zukunft.

 

Die Botschaft, die ich auf meinen Reisen nach Afrika im Juni und nach Asien im August erhalten habe, hieß allerdings, dass die sozialen Entwicklungsziele notwendig, aber nicht ausreichend seien. Aber die gute Nachricht lautet, dass 17 Länder Afrikas, in denen 36 Prozent der Bevölkerung leben, von 1995 bis 2005 ein durchschnittliches Wachstum von 5,5 Prozent pro Jahr erreicht haben. Diese Länder wollen Unterstützung, um eine Infrastruktur für mehr Wachstum zu schaffen – vor allem Energie und Einrichtungen, die der regionalen Integration förderlich sind. Sie wollen außerdem, dass wir ihnen beim Aufbau lokaler Finanzmärkte, auch für Mikrofinanz, helfen, die die Ersparnisse Afrikas für das Wachstum des Kontinents mobilisieren können.

 

Die Regierungschefs in Afrika sehen großes Potenzial in der Ausweitung der Landwirtschaft, und zwar zunehmend durch Produktivitätszuwächse. Der nächste Weltentwicklungsbericht der Weltbankgruppe wird herausstellen, dass das BNP-Wachstum aus der Landwirtschaft den ärmsten Ländern viermal mehr nutzt als Wachstum in anderen Sektoren. Wir brauchen eine Grüne Revolution für das 21. Jahrhundert, die auf die besonderen und vielfältigen Bedürfnisse Afrikas ausgerichtet ist und getrieben wird durch verstärkte Investitionen in Forschung und Verbreitung von Technik, nachhaltigen Landbau, landwirtschaftliche Lieferketten, Bewässerung, Mikrokredite für die Landbevölkerung sowie Politikmaßnahmen, die Marktchancen stärken und gleichzeitig bei ländlichen Anfälligkeiten und Unsicherheiten unterstützend eingreifen. Mehr Länder müssen zudem ihre Märkte für Landwirtschaftsexporte öffnen.

 

Acht weitere Länder Afrikas, in denen etwa 29 Prozent der Bevölkerung leben, erreichten auf Grund ihrer Ölvorkommen zwischen 1995 und 2005 ein Durchschnittswachstum von 7,4 Prozent. Für diese Staaten und für einige IDA-Länder in anderen Regionen liegt die wichtigste Entwicklungsaufgabe in der Förderung von guter Regierungsführung und Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung sowie in der Ausweitung der Kapazitäten auf dem öffentlichen Sektor, damit die Umsätze aus den Ressourcen eine nachhaltige Zukunft für alle Bürger schaffen können.

 

Zweitens müssen wir die besonderen Probleme von Staaten in der Konfliktfolgezeit aufgreifen, um diese Staaten vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

 

Als die Visionäre in Bretton Woods vor mehr als 60 Jahren die IBRD ins Leben riefen, dachte man bei „Wiederaufbau“ an Europa und Japan. Heute geht es um den Wiederaufbau von Staaten, die unter modernen Konflikten gelitten haben.

 

Paul Collier schreibt in seinem Buch The Bottom Billion, dass 73 Prozent dieser Milliarde Menschen in Ländern leben, in denen Bürgerkrieg geherrscht hat. Leider führen diese Konflikte nicht nur zu außerordentlichem Leid für die direkt betroffenen Menschen, sondern die Übertragungswirkungen ziehen auch ihre Nachbarn in Mitleidenschaft.

 

Offen gestanden wissen wir nur in einem bescheidenen Umfang, wie wir mit diesen verheerenden Fällen umgehen sollen. Ich vermute, wir benötigen einen stärker integrierten Ansatz, der Sicherheit, politische Regelwerke, den Aufbau lokaler Kapazitäten durch schnelle Hilfe, Wiedereingliederung von Flüchtlingen und eine flexiblere Entwicklungshilfe mit einbezieht. Die Aufbauarbeit der Bankgruppe in Bosnien, Ruanda und Mosambik zeigt, was möglich ist. Die Anpassungsfähigkeit und die raschen Auszahlungen der IDA haben sich in Konfliktfolgezeiten als ganz entscheidend erwiesen, und wir arbeiten gemeinsam mit Gebern daran, unsere Effektivität noch zu steigern.

 

Heute sind wir oftmals durch Treuhandfonds, die von Gebern und gemeinsam mit der UN errichtet wurden, unter anderem im Süden Sudans, in Liberia, Sierra Leone, DRK, Burundi, Elfenbeinküste, Angola, Timor-Leste, Papua-Neu Guinea, in den Inselstaaten des Pazifik, in Afghanistan und Haiti tätig. Wenn es in Darfur eine wirksame Friedensvereinbarung gibt, die von starken UN-AU Sicherheitskräften gesichert wird, dann will die Weltbankgruppe dort auch helfen.

 

Drittens braucht die Weltbankgruppe ein stärker differenziertes Geschäftsmodell für die Länder mit mittlerem Einkommen. Diese Staaten stehen weiterhin großen Entwicklungsaufgaben gegenüber. Entscheidende soziale Dienstleistungen und Infrastruktur sind nach wie vor unterfinanziert. In vielen Fällen bekamen die Armen durch das rasche Wirtschaftswachstum keine Chance. Umweltprobleme sind akut. Und es besteht weiterhin ein Potenzial für Volatilität im Kapitalfluss zu diesen Ländern – ganz wie es in den 1980ern und 1990ern geschehen ist.

 

Unsere Mitgliedsländer mit mittlerem Einkommen haben diese Herausforderungen erkannt und wollen weiterhin eine Kooperation mit der Weltbankgruppe über ein wettbewerbsfähiges Menü aus „Entwicklungslösungen“. Aber dieses Engagement muss auch wesentliche Verbesserungen in ihrer Finanzlage und institutionellen Kapazität im Lauf des letzten Jahrzehnts zeigen. Sie wollen zum Beispiel, dass die IBRD weitaus flexibler und günstigere Bankdienstleistungen mit weniger Hürden und kürzeren Bereitstellungszeiten bietet. Sie wünschen sich von der IFC Hilfe bei der Konzeption von Lösungen für den Privatsektor für nicht erschlossene Märkte und sogar soziale Bedürfnisse. Und sie erwarten von uns immer höhere Standards in puncto Qualität, Beständigkeit und kostengünstige Bereitstellung unserer Beratungsdienste. Kurz gesagt, sie wollen Leistung, und das wollen wir ihnen geben.

 

Für manche Länder mit mittlerem Einkommen werden unsere Dienstleistungen mehr und mehr in den Bereichen Risikomanagement und Anwendung von globalem Know-how auf die Bedürfnisse vor Ort liegen. Wir können qualitative Verbesserungen von Kreditengagements, Kreditsicherung und neutrale Erfahrungswerte bieten, die beim Aufbau von Kapazitäten für die Vermögensverwaltung hilfreich sein werden. Wir können die Wertpapiermärkte vor Ort fördern, indem wir bei der Schaffung von Anleihefonds und Indizes in Landeswährung helfen. Wir können Finanzierung in Landeswährungen gewähren, um unsere Kreditvergabe mit der Handhabung von Währungsrisiken zu verknüpfen. Wir können mit subnationalen Einrichtungen zusammenarbeiten, um umfassendes Wachstum innerhalb der Länder zu fördern. Wir entwickeln derzeit Finanzinstrumente für unvorhergesehene Fälle, die während eines Finanzschocks Liquiditäten freisetzen, sowie Fazilitäten auf dem Versicherungsmarkt, um die Verfügbarkeit zu erweitern und die Deckungskosten für Naturkatastrophen wie Wirbelstürme und Erdbeben zu senken. Bei manchen dieser Aktivitäten werden wir eventuell ausloten, wie wir Dienstleistungen und Wissen gegen Gebühr bereitstellen können, um unseren Länderkunden dadurch die Wahl zwischen Bereitstellung mit oder ohne Finanzierung zu bieten.

 

Viertens muss die Weltbankgruppe in Zukunft eine aktivere Rolle bei der Förderung regionaler und globaler öffentlicher Güter spielen, die nationale Grenzen überschreiten und mehreren Ländern und Bürgern nützlich sind. Es ist unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass diese Agenda den Entwicklungszielen entspricht.

 

Die Weltbankgruppe hat mit ihrer Arbeit zu HIV/Aids, Malaria, Vogelgrippe und Entwicklung von Impfstoffen bereits unter Beweis gestellt, dass sie bei der Bekämpfung ansteckender Krankheiten eine wirksame Stütze sein kann. Wir prüfen gerade, wie wir den Nexus zwischen Hilfe und Handel stärken können, so auch durch das innovative Handelsfinanzprojekt der IFC, das sich hauptsächlich auf Afrika konzentriert und innerhalb von zwei Jahren bereits ein Handelsvolumen von rund 2 Mrd. USD gesichert hat.

 

Wir arbeiten mit unserem Direktorium daran, unsere Unterstützung für die internationalen Bemühungen zum Klimawandel in entscheidendem Maße zu erhöhen. Bei unseren nächsten Jahrestagungen und bei der UN-Klimakonferenz in Bali dieses Jahr im Dezember hoffe ich, ein Portfolio von Ansätzen vorstellen zu können, wie die Weltbankgruppe bei der Integration von Entwicklungsbedarf und Wachstum mit geringem Kohlenstoffausstoß helfen kann. Wir müssen uns vor allem auf die Interessen der Entwicklungsländer konzentrieren, damit wir der Herausforderung des Klimawandels ohne Verlangsamung des Wachstums begegnen können, das zur Überwindung der Armut beiträgt.

 

Unsere Arbeit zu regionalen und globalen öffentlichen Gütern erfordert die enge Zusammenarbeit mit anderen Institutionen mit einschlägiger Erfahrung wie die WHO, UNEP, UNODC und die WTO. Wir müssen auch den relativen Vorteil der Bankgruppe bestimmen, damit wir unsere Ressourcen durch selektive, differenzierte Ansätze bestmöglich fokussieren können. Auf Grund unserer Spezialisierung auf die Entwicklungsarbeit auf nationaler Ebene wird unsere wichtigste operative Herausforderung darin liegen, Länder bei ihrer bestmöglichen Integration von Politikmaßnahmen zu öffentlichen Gütern – sowie regionalen und globalen Chancen – in nationale Programme zu unterstützen. Diese Chancen sollten auch Unternehmer und Energien auf dem Privatsektor angehen.

 

Fünftens liegt eine unserer wichtigsten Herausforderungen dieser Zeit in der Unterstützung derjenigen, die in der arabischen Welt Entwicklung und Chancen fördern wollen. In der Vergangenheit waren diese Länder Zentren des Handels und des Lernens, was Aufschluss über ihr Potenzial gibt, wenn sie denn Streit und Hürden auf dem Weg zu Wachstum und sozialer Entwicklung überwinden können. Ohne Wachstum auf breiter Basis werden diese Länder mit sozialen Spannungen und einer Vielzahl junger Leute zu kämpfen haben, die keine Arbeit finden. Die Entwicklungsberichte der UN aus der arabischen Welt bieten überzeugende Selbstbewertungen.

 

Als Handelsbeauftragter der USA arbeitete ich eng mit Regierungschefs vom Maghreb bis zum Persischen Golf zusammen, die ihre Wirtschaften und Gesellschaften öffneten. Einige unter ihnen hatten eine Menge Energieressourcen und Kapital, aber wenig wirtschaftliche Vielfalt und kaum Möglichkeiten zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Andere wieder wollten Schulen verbessern, mehr Technologie ins Land holen und Arbeitsplätze durch Deregulierung von Wirtschaft und Handel schaffen. Eine gewisse Anzahl vertiefte produktive Bündnisse mit Asien durch gegenseitige Investitionen, Handel und das Wachstum von Servicezentren.

 

Unser jüngster Bericht „Doing Business 2008“ verzeichnet Fortschritte. Ägypten führt die Liste der Volkswirtschaften an, die ihre Vorschriften geschäftsfreundlicher gestalten. Saudi-Arabien schaffte bürokratische Schichten ab, die Unternehmensgründungen in diesem Land besonders schwer gemacht hatten; ebenso wurden Mindestkapitalvorgaben gestrichen.

 

Diese Entwicklungen geben Anlass zur Zuversicht, aber es kann noch viel mehr getan werden. Eine umfassende Globalisierung muss für alle Menschen in diesen Staaten von Vorteil sein. Wenn arabische Regierungen soziale Dienstleistungen für alle ihre Bürger bereitstellen wollen, können wir das entsprechende Wissen dazu beitragen. Wir können bei der Schaffung eines geschäftsfreundlichen Umfelds für heimische oder ausländische Unternehmer helfen. In manchen Ländern können wir vielleicht Entwicklungsprojekte finanzieren, Treuhandfonds der Geber verwalten oder durch die IFC die Expansion von Dienstleistungen auf dem Privatsektor vorantreiben. Heute helfen wir bei der Bereitstellung grundlegender sozialer Dienste und bieten Unterstützung für gute Regierungsführung und Wachstum auf dem Privatsektor in den Palästinensergebieten, die die wirtschaftliche Grundlage für Hoffnung bilden könnten, wenn die Parteien Frieden schließen.

Letzten Endes ist die Aufgabe der Weltbankgruppe, die zwar gewisse Attribute einer Finanz- und Entwicklungsinstitution besitzt, weitaus größer. Sie ist eine einmalige und besondere Institution für Wissen und Lernen. Sie sammelt und verbreitet wertvolle Daten. Aber sie ist keine Universität – sie ist vielmehr ein Wissensfundus aus angewandter Erfahrung, der uns bei der Bewältigung der fünf anderen Strategiethemen helfen wird.

 

Dazu sind besondere Erkenntnisse und Beistand vonnöten. Aber wir müssen uns auch selbst immer wieder herausfordern und uns fragen: Wodurch erreicht man umfassende und nachhaltige Entwicklung und Wachstum?

 

Diese Aufgabe erfordert Bescheidenheit – und intellektuelle Aufrichtigkeit. Viele Entwicklungspläne und –träume sind fehlgeschlagen. Das ist aber kein Grund zum Aufgeben. Es ist vielmehr ein Grund, sich stets und rigoros auf die Ergebnisse und die Bewertung der Effektivität zu konzentrieren. Das ist der beste Weg, um das Vertrauen und die Unterstützung unserer Anteilseigner, Beteiligten und Entwicklungskunden und Partner zu erlangen.

 

Diese sechs Strategiethemen weisen eine Richtung – die erörtert, verfeinert und verbessert werden kann. Zur Umsetzung dieser Ideen müssen wir die besonderen Bedürfnisse unserer Kunden verstehen. Wir begrüßen den Rat und die Anleitung unserer Anteilseigner. An diesem Punkt der Geschichte besteht großer Bedarf – und eine überzeugende Chance – für die Weltbankgruppe.

 

Interne Herausforderungen: Gute Regierungsführung und Korruptionsbekämpfung

Wenn die Weltbankgruppe erfolgreich sein will, muss sie sich auch ihren eigenen internen Herausforderungen stellen. Wir müssen unser Kapital effektiver nutzen und uns mehr auf den Dienst am Kunden konzentrieren. Wir sollten unsere Kontakte zu Organisationen der Zivilgesellschaft und regierungsfremden Organisationen (NGOs) stärken, damit wir von ihnen lernen können. Im Sinne der neuen „Hilfsarchitektur“ müssen wir effizienter mit nationalen Hilfsprogrammen, Fonds für spezielle Projekte wie Krankheiten, Stiftungen, NGOs vor Ort und privaten Unternehmen, die sich für Entwicklungsaufgaben interessieren, zusammenarbeiten.

 

Wir müssen unseren Mitarbeitern bessere berufliche Entwicklungsmöglichkeiten bieten und die Mobilität innerhalb der Organisation verbessern. Wir brauchen eine stärkere Personalpolitik, damit wir im Sinne einer größeren Dezentralisierung unsere Mitarbeiter vor Ort unterstützen können. Und wir brauchen in unserem Direktorium mehr Mitsprache und Vertretung sowie mehr Vielfalt in unserer Belegschaft.

 

Wie ein neuerer Bericht eines erfahrenen Gremiums unter der Leitung des früheren Zentralbankchefs Paul Volcker unterstrich, müssen wir auch im Umgang mit Regierungsführung und Korruption noch einiges leisten. Das Gremium gab uns einen umfangreichen Satz an Empfehlungen an die Hand, um die Arbeit unserer internen Ermittler zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass das Produkt ihrer Arbeit bestmöglich eingesetzt wird. Wir folgen Hinweisen unverzüglich, begrüßen die Ansichten anderer, besprechen Ideen mit unserem Direktorium und sind dabei, betriebliche Verbesserungen einzuleiten.

 

Nach meiner Erfahrung wissen die Mitarbeiter der Weltbankgruppe, wie wichtig die Agenda zu guter Regierungsführung und Korruptionsbekämpfung ist. Sie sind stolz auf die Entwicklungsmission, der sie dienen, wollen die Integrität ihrer Institution bewahren und wissen, dass Korruption vor allem die Armen und Machtlosen schädigt. Gemeinsam werden wir besser sein.

 

Die Weltbankgruppe kann auch Anleitung bei der Integration von Politikmaßnahmen zu guter Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit in die Entwicklungsagenda geben. Erst letzten Monat haben wir gemeinsam mit der UN eine Initiative zur Rückgewinnung gestohlenen Vermögens – Stolen Assets Recovery, StAR – eingeführt, durch die Industrienationen und Entwicklungsländer gemeinsam die durch Korruption erfolgte finanzielle Plünderung zurückgewinnen können. Unser erfolgreicher Bericht „Doing Business“ stellt klar, dass eine schlechte Aufsichts- und Lizenzpolitik nicht nur Unternehmer behindert, sondern auch der Korruption Tür und Tor öffnet.

 

Schlussbemerkung: Zwei Stimmen

Heute habe ich Ihnen die Richtung der Weltbankgruppe vorgestellt. Damit Sie wirklich verstehen, worum es uns geht, möchte ich zwei Frauen zitieren.

 

Deramma ist eine Frau, die einer Selbsthilfegruppe in einem Dorf im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh angehört. Sie ist eine von mehr als 8 Millionen Frauen, die mit Unterstützung der Weltbank Selbsthilfegruppen gegründet hat, um Ressourcen zusammenzulegen. Dieser grundlegendste aller Vermittlungs- und Unterstützungsdienste hat das Einkommen für annähernd 90 Prozent der ländlichen Haushalte – das sind rund 40 Millionen Menschen – verbessert. Deramma sagte uns: „Wir lebten von der Hand in den Mund. Jetzt aber sind wir selbständig und können unsere Kinder ausbilden. Jetzt haben wir Zuversicht, dass wir der Armut entkommen können.“

 

Dinalva Moura ist die Mutter von drei Kindern und nimmt an Bolsa Familia in Brasilien teil. Die Initiative bietet den Eltern in 11 Millionen Familien, die ihre Kinder in die Schule und regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen schicken, kleine Geldbeträge. Die Bankgruppe leistete die finanzielle und technische Unterstützung für die beeindruckende Initiative der brasilianischen Regierung. Dinalva sagte uns: „Dank der Bolsa Familia kann ich Essen kaufen, manchmal sogar Obst für die Kinder. Und sie schwänzen nicht. Denn sie wissen, dass es nur dann Geld gibt, wenn sie in die Schule gehen.“

 

Das sind die Stimmen, die Ihnen die Geschichte unserer täglichen Bemühungen erzählen, neue Chancen für die Armen zu schaffen. Und dies sind die Stimmen, in denen der dringliche Bedarf nach einer dynamischen Weltbankgruppe widerhallt, die sie mit anderen Menschen, Ideen und Chancen in Verbindung bringt. Und genau das ist eine umfassende und nachhaltige Globalisierung.

 




Permanent URL for this page: http://go.worldbank.org/QGPJCHPOP2